Artmix

Eine neue Ausgabe von Artmix, dem Austauschprogramm mit Luxemburg, hat begonnen! Vom 2. Mai bis 26. Mai 2024 wird die Ausstellung von Noé Duboutay, Darja Linder, Hannah Mevis und Sophia Lökenhoff in der Stadtgalerie zu sehen sein. 

GOSSIP matters hard to grasp

Speisen auf einem Tisch - Hannah Mevis und Noé Duboutay

Speisen auf einem Tisch - Hannah Mevis und Noé Duboutay

Speisen auf einem Tisch - Hannah Mevis und Noé Duboutay

Artmix-Doppelausstellung von Noé Duboutay (er/they), Darja Linder (sie/ihr), Sophia Lökenhoff (they/them), und Hannah Mevis (sie/ihr)

Bis zum 14. Jahrhundert war "I'm going out with my gossip" (ich gehe mit meiner vertrauten Begleitung aus) eine herkömmliche Aussage von überwiegend weiblich gelesenen und weiblich sozialisierten Personen, um zu beschreiben, dass sie sich mit vertrauten Menschen treffen wollten. Im Kontext der damaligen Zeit bezeichnete "Klatsch" nicht nur Freund*innen, sondern allgemein Menschen, die Weisheit(en) teilten. Die Gossips waren auch für die mündliche Weitergabe von Geschichten zuständig und leisteten damit einen wichtigen Beitrag zum Wohlergehen der Gemeinschaft.

Mit dem Aufkommen des Kapitalismus und der damit verbundenen Abwertung des Wissens weiblich gelesenen Personen veränderte sich die Bedeutung des Wortes in Richtung informelles Geschwätz. Heute verkörpert der Begriff nach wie vor die negative Konnotation und die damit verbundene Abwertung von "weiblichen" Wissenssystemen und Tätigkeiten.

Im Sinne der ursprünglichen Bedeutung entwickeln die vier Artmix-Künstler*innen Noé Duboutay (*1995 in Luxemburg; lebt und arbeitet zwischen Berlin und Luxemburg), Darja Linder (*1992 in Thälmanskij/Russland; lebt und arbeitet in Saarbrücken), Sophia Lökenhoff (*1989 in Essen/Deutschland; lebt und arbeitet in Berlin) und Hannah Mevis (*1989 in Heidelberg/Deutschland; lebt und arbeitet zwischen Saarbrücken und Brüssel) eine Doppelausstellung, in deren Mittelpunkt die Verflechtung von Erinnerungen und der politische Akt des Wissensaustauschs stehen:

“Wir sind Künstler*innen, Freund*innen und vertraute Gossips, die sich mit persönlichen Hintergründen und Erfahrungen, Körperlichkeiten und Blickpunkten auseinandersetzen. Im kollektiven Widerwillen, sich festgefahrenen Denkmustern zu fügen, suchen wir nach diversen Gegenpositionen, die uns den Kenntnissen vergessener Welten näher bringen. Wir laden dazu ein, unsere (Ver-)Sammlungen mitzuerleben und in schwer greifbare Materien einzutauchen.”

Eröffnungen der Doppelausstellungen:
2. Mai 2024 Stadtgalerie Saarbrücken (bis 26. Mai)
3. Mai 2024 Cerlé Cite Luxembourg (bis 30. Juni)

Artmix ist ein Austauschprogramm von den Städten Saarbrücken und Luxemburg. Die Kooperationspartner*innen des Projekts sind die Stadtgalerie Saarbrücken und aus Luxemburg das Cercle Cité, Neimënster, sowie Casino Display. Für die aktuelle Ausgabe entschied sich die Jury für die Künstler*innen Noé Duboutay (er/they) für Luxemburg und Darja Linder (sie/ihr) für Saarbrücken. Noé entschied sich, Sophia Lökenhoff (they/Them)  in das Team aufzunehmen und Darja wählte Hannah Mevis aus (sie/ihr).

Mehr über Artmix

Vom 19. Februar bis 11. März sind vier Künstler*innen im Rahmen des Austauschprogramms Artmix mit Luxemburg in der Stadtgalerie zu Gast. Die Jury hat sich zu dieser Ausgabe für Noé Duboutay (they/he) (LUX) und Darja Linder (DE) entschieden. Die beiden ausgewählten Künstler*innen durften jeweils eine*n weitere*n Künstler*in einladen. Dabei ist Noé Duboutays Wahl auf Sophia Lökenhoff (they/them) gefallen und Darja Linder nimmt Hannah Mevis mit in das neue Artmix-Künstler*innen-Team.

Gemeinsam entwickelt die Gruppe eine Ausstellung während des gemeinsamen Aufenthalts in Form einer Residenz in Luxemburg und Saarbrücken. Die Einrichtung eines offenen Ateliers oder Workshops ergänzt das Projekt. Während des Austauschs arbeiten die Teilnehmenden im Dezember 2023 drei Wochen gemeinsam in Luxemburg (Kulturzentrum Abtei Neumünster) und nun im Februar/März 2024 drei Wochen in Saarbrücken (Stadtgalerie Saarbrücken).

Die Ausstellungen finden vom 2. Mai bis 26. Mai 2024 in der Stadtgalerie Saarbrücken und vom 3. Mai bis 30. Juni 2024 im Cercle Cité in Luxemburg statt. Das Casino Display ist Netzwerkpartner.

Nachdem das Projekt Artmix aufgrund der Pandemie vorübergehend eingestellt wurde (11. Ausgabe: 2019), ist es 2023 mit neuen Partner*innen in Luxemburg zurück. Das seit 2005 bestehende Projekt verbindet Künstler*innen aus der Großregion miteinander. Ziel ist es, die regionale Vernetzung benachbarter Kunstszenen und verschiedener Fachbereiche zu fördern. Dabei sollen neue Formen der Zusammenarbeit und Professionalisierung ermöglicht werden.

Artmix ist ein Austauschprogramm von den Städten Saarbrücken und Luxemburg. Die Kooperationspartner*innen des Projekts sind die Stadtgalerie Saarbrücken und aus Luxemburg das Cercle Cité, Neimënster, sowie Casino Display.

Begründung der Jury

Die ausgewählten Teilnehmer*innen sind in ihrer Bewerbung auf das offene Artmix Konzept auf eine inhaltlich stark überzeugende Art und Weise eingegangen. Die beiden Künstler*innen arbeiten mit sehr verschiedenen Medien. Gleichzeitig resonieren nicht nur ihre ausdrucksstarke und gegenwärtige Ästhetik, sondern auch ihre aufgegriffenen Themen wie Identität und gesellschaftliche Normen miteinander. 

Alle Teilnehmer*innen befinden sich zurzeit am Anfang ihrer Karriere und können sich durch das Projekt Artmix weiter professionalisieren. Laut Jury überzeugen die sehr unterschiedlichen künstlerischen Positionen durch ihre Auseinandersetzung mit aktuell gesellschaftspolitischen Themen und ihren ästhetischen Dimensionen.

Noé Duboutay

Selbstporträt Noé Duboutay - Noé Duboutay

Selbstporträt Noé Duboutay - Noé Duboutay

Selbstporträt Noé Duboutay - Noé Duboutay

Noé Duboutay (*1995 in Luxemburg) ist ein in Berlin und Luxemburg lebender Performancekünstler und Autor. Er performt mit seinem Körper und seiner Stimme, macht Installationen und Requisiten und schreibt Skripte, Gedichte und Prosa. Dabei erforscht er die Verstrickungen menschlicher Identitäten mit nicht-menschlichen Entitäten und Materialitäten. Noé Duboutays künstlerische Praxis bewegt sich im Spannungsfeld von Körpererfahrungen und Verkörperungsformen, die hinterfragen, was einen Körper lesbar macht. Durch fiktive und autobiografische Welten des Schreibens und Bewegens schafft Noé Duboutay Wege, queere Verbindungen, Verbündete und Verwandtschaften zu finden und schafft Raum für fragile Unsicherheit und Weichheit.

Sophia Lökenhoff

Sophia Lökenhoff - Lexi Schnäbele

Sophia Lökenhoff - Lexi Schnäbele

Sophia Lökenhoff - Lexi Schnäbele

Noé Duboutay hat Sophia Lökenhoff ausgewählt. Sophia Lökenhoff (*1989 in Essen/Deutschland), ein*e transdisziplinäre Performance-Künstler*in aus Berlin, schafft immersive Performances, die sich mit Körpern, Zeitdimensionen, Räumen, Objekten, Klängen und deren Beziehung zum Unsichtbaren beschäftigen. Seit 2020 arbeitet Sophia Lökenhoff an einem fortlaufenden Performancezyklus, der die Übergänge einer fabulierten Figur namens IAGA erkundet. IAGA koexistiert in Sympoiesis mit und durch viele Körper und erforscht die Überbleibsel der dreifachen femme Gottheiten in zeitgenössischen Wissenssystemen. Besonderer Fokus liegt auf der Regeneration der magischen Sphäre als queer, gender-fluid und nicht-binär. Das Format der Performances oszilliert zwischen Workshop, Spiel und Ritual, und lädt das Publikum ein, Teil einer vielschichtigen Erfahrung zu werden.

Darja Linder

Darja Linder Selbstporträt - Darja Linder

Darja Linder Selbstporträt - Darja Linder

Darja Linder Selbstporträt - Darja Linder

Darja Linder (*1992 in Thälmanskij/Russland) lebt und arbeitet in Saarbrücken. Ihre Arbeit konzentriert sich auf die Interaktion mit Menschen und auf das Erzählen individueller Geschichten. Sie erschafft Bildwelten, die nicht nur der porträtierten Person gerecht werden, sondern auch soziale und identitätspolitische Themen ansprechen. Sie arbeitet überwiegend malerisch, wobei sie auch andere Medien nutzt, um sich den Menschen und ihren Geschichten anzunähern: Sie schreibt, zeichnet Gespräche auf und fotografiert.

Hannah Mevis

Bibliothek, Hannah Mevis - Agnes Müller

Bibliothek, Hannah Mevis - Agnes Müller

Bibliothek, Hannah Mevis - Agnes Müller

Darja Linder hat Hannah Mevis ausgewählt. Hannah Mevis (*1989 in Heidelberg/Deutschland) lebt und arbeitet in Saarbrücken und Brüssel. In ihrer Arbeit beschäftigt sie sich mit den Möglichkeiten, körperliche Wahrnehmung zu visualisieren und im Kontext von geschichtlichen und sozialpolitischen Geschehnissen zu adressieren. Sie arbeitet kontextuell und konzeptionell, ungebunden von einem bestimmten Medium, dafür immer mit dem Interesse an den körperlichen Erfahrungen der Betrachter*innen und kreiert gerne Situationen, in denen sich Menschen mit einbringen können.

Das Projekt Artmix wird unterstützt vom Ministerium für Bildung und Kultur und Saartoto